Artikel: Nachhaltige Planung von Empfangsgebäuden
Die Deutsche Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden und eine vollständige Kreislaufwirtschaft zu erreichen. Empfangsgebäude spielen dabei eine zentrale Rolle. Neben Klimaschutz stehen auch Natur, Klimaresilienz und soziale Nachhaltigkeit im Fokus.
Für die mehr als 500 bestehenden Empfangsgebäude der DB InfraGO sind in den kommenden Jahren umfangreiche Umbau-und Sanierungsmaßnahmen geplant. Nachhaltigkeit bildet dabei die Qualitätsgrundlage, sowohl im Hinblick auf die Konzernziele als auch auf gesetzliche Vorgaben.
Um diesen Prozess zu unterstützen, hat der Geschäftsbereich Personenbahnhöfe einen praxisnahen Leitfaden entwickelt. Er begleitet Projekte bis zur Leistungsphase 2 und ermöglicht so die Integration von Nachhaltigkeit bereits in den frühen Projektphasen.
Der Leitfaden umfasst fünf Handlungsfelder, die die umwelttechnischen und sozialen Themen der Nachhaltigkeit abdecken. Sie leiten sich unter anderem aus der Konzernstrategie, der Strategie für Personenbahnhöfe der DB sowie aus etablierten Nachhaltigkeitskriterien und nationalen und internationalen Vorgaben ab.
Zirkuläres Bauen
Die gebaute Umwelt ist nach wie vor weitestgehend an dem linearen „Take-Make-Waste“ Modell ausgerichtet – hierbei werden Materialien beschafft, verwendet und anschließend als Abfall entsorgt.
Die Baubranche ist einer der weltweit größten Ressourcen- und Rohstoffverbraucher und einer der größten Erzeuger von Abfällen und Kohlenstoffemissionen.
Die Baubranche ist einer der weltweit größten Ressourcen- und Rohstoffverbraucher und einer der größten Erzeuger von Abfällen und Kohlenstoffemissionen.
Ziel des zirkulären Bauens ist, den Einsatz von Primärressourcen auf ein Minimum zu reduzieren. Beim Zirkulären Bauen gilt es den höchsten Wert- und Qualitätserhalt für Bauteile und Materialien anzustreben. Hierbei ist das Schließen von Stoffkreisläufen von großer Bedeutung, um Materialien dauerhaft im Kreislauf zu halten und so den Gesamtmaterialeinsatz zu reduzieren.
Für die Gebäude ist der Bestandserhalt dem Neubau vorzuziehen. Bauteile und Bauprodukte müssen so konstruiert und hergestellt werden, dass sie einen möglichst langen Lebenszyklus erreichen und nach dem Gebrauch weiterverwendet oder für andere Zwecke genutzt werden können.
Indirekte Emissionen
Indirekte Emissionen (oder: graue Energie; graue Treibhausgasemissionen) im Gebäudelebenszyklus umfassen die Emissionen, welche sich aus der Herstellung von Baumaterialien und Bauelementen, der Errichtung des Gebäudes sowie der Nutzung und Instandhaltung des Gebäudes ergeben.
Indirekte Emissionen stellen einen beträchtlichen Anteil an den Gesamttreibhausgasemissionen eines Gebäudes dar und werden zum Erreichen von Klimaneutralität immer wichtiger.
Ziel des DB-Konzerns ist die Klimaneutralität bis 2040. Zum Erreichen dieses Zieles müssen die indirekten Emissionen im Bauprozess und der Nutzung von Empfangsgebäuden betrachtet werden.
Die Reduzierung indirekter Emissionen ist entscheidend, da sie oft einen großen Teil der Gesamtemissionen ausmacht.
Indirekte Emissionen sind ein zentraler Bestandteil umfassender Nachhaltigkeitsstrategien, die darauf abzielen, Unternehmen langfristig umweltfreundlicher und effizienter zu machen.
Energieeffizienz
Energieeffizienz ist zentral zur Reduzierung des Energieverbrauches und somit der Treibhausgasemissionen. Durch die Minimierung des Bedarfes sowie der effizienteren Nutzung von Energie können Betriebskosten gesenkt werden, während Ressourcen geschont und Umweltauswirkungen minimiert werden.
Die Kombination aus einer Reduzierung des Energiebedarfes durch passive Gebäudeoptimierungen in Verbindung mit Effizienzsteigerungen durch Automatisierung, Anlageneffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien birgt großes Potential zur Reduzierung des CO2-Fussabdrucks und der Reduzierung fossiler Energieträger.
Ziel ist es, den Energieverbrauch von Gebäuden zu minimieren, ohne dabei die Funktionalität oder Leistung zu beeinträchtigen. Der Geschäftsbereich Personenbahnhöfe hat sich z. B. das Ziel gesetzt 35 % des Endenergieverbrauchs im Vergleich zu 2019 zu reduzieren.
Zur Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen kann die Energiehierarchie eingesetzt werden. Hierbei werden Maßnahmen nach Prioritäten zum Erreichen des Zieles nachhaltiger Energieversorgung klassifiziert: 1 Reduzierung Nachfrage/Nutzung; 2 Effizientere Systeme; 3 Nutzung erneuerbarer bzw. CO2-neutraler Energien.
Klima und Biodiversität
Infrastruktur und Städte stehen in Bezug auf Klimaresilienz und Biodiversität vor großen Herausforderungen. Durch den Klimawandel nehmen extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und Trockenperioden zu, was Infrastrukturen belastet und die Lebensqualität beeinträchtigt.
Der hohe Versiegelungsgrad stellt ein enormes Risiko für Überhitzung oder Überschwemmungen dar. Gleichzeitig sind städtische Grünflächen, die für die Kühlung und den Erhalt der Biodiversität entscheidend sind, oft knapp und fragmentiert.
Ziel ist es, Bauwerke und städtische Räume so zu gestalten, dass sie den Herausforderungen des Klimawandels standhalten und gleichzeitig die natürliche Umwelt und die Aufenthaltsqualität fördern.
Klimaresiliente Gebäude sind widerstandsfähig gegenüber extremen Wetterbedingungen wie Hitzewellen, Starkregen und Stürmen, was ihre Langlebigkeit und Sicherheit erhöht. Gleichzeitig trägt die Integration von Biodiversitätsaspekten dazu bei, natürliche Lebensräume zu schützen und zu fördern.
Soziale Nachhaltigkeit
Eine nachhaltige Entwicklung erfordert nicht nur ökologische Maßnahmen, sondern auch den Aufbau resilienter sozialer Strukturen, die eine nachhaltige Lebensweise langfristig sichern können.
Dazu gehört, das System Bahn allen zugänglich zu machen und die Aufenthaltsqualität der Reisenden zu verbessern, indem Barrierefreiheit und Sicherheit bei der Planung mitgedacht werden.
Durch Aufenthaltsqualität kann die Attraktivität der Räume und somit die Nutzungsintensität erhöht werden, wodurch Sicherheit und Schutz vor Vandalismus unterstützt werden können.
Ziel der sozialen Nachhaltigkeit ist die Schaffung von fairen, stabilen und inklusiven Gesellschaften, in denen die Grundbedürfnisse aller Menschen erfüllt werden und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für jeden möglich ist.
Soziale Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil einer ganzheitlichen nachhaltigen Entwicklung mit dem Ziel, langfristig Lebensqualität für alle zu sichern.