Baubetrieb

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Die Ertüchtigung des Hauptbahnhofs Stendal im Regionalbereich Südost unter anderem mit dem Bau einer barrierefreien Personenunterführung (PU). Foto am 24. September 2019.

Was bedeutet Baubetrieb? 

Baubetrieb ist die Organisation und Steuerung von Bauarbeiten im laufenden Eisenbahnbetrieb.

Ziel: Bauarbeiten durchführen, ohne Sicherheit und Betriebsqualität unnötig zu beeinträchtigen.

Kernaufgaben:

  • Abstimmung von Bauarbeiten mit dem Fahrplan
  • Festlegung von Sperrungen und Betriebsformen (z. B. eingleisiger Betrieb, Umleitungen)
  • Bewertung der Auswirkungen auf den Zugverkehr
  • Koordination zwischen Bau, Betrieb, Fahrplanung und Technik
Baubetriebsplanung

Die Baubetriebsplanung ist der Planungsteil des Baubetriebs.Sie legt fest, wann, wo und wie gebaut wird.

Kernaufgaben:

  • Prüfung und Bewertung von Infrastrukturmaßnahmen
  • Zeitliche Einordnung in den Fahrplan (Kapazitätsplanung)
  • Festlegung von Bauzeiten, Sperrzeiten und Betriebsweisen
  • Abstimmung und Bündelung mehrerer Maßnahmen
  • Berücksichtigung von Kapazität, Fahrplanwirkungen und Logistik
Zusammenhang mit der Richtlinie (Ril 406.1103) 

Der Zusammenhang zwischen Infrastrukturmaßnahmen, Baubetrieb und Baubetriebsplanung ist in der Richtlinie Ril 406.1103 geregelt und folgt einem klaren Prozess.

1.    Infrastrukturmaßnahme→ wird baubetrieblich bewertet (Auswirkungen auf Betrieb und Fahrplan)2.    Baubetriebsmaßnahme→ konkrete betriebliche Umsetzung (z. B. Sperrung, Umleitung)3.    Baubetriebsplanung→ Einordnung, Abstimmung und Genehmigung im Kapazitätsplan

Damit bildet die Baubetriebsplanung die verbindliche Grundlage für die Umsetzung von Bauarbeiten im laufenden Eisenbahnbetrieb.

Merksatz:

Baubetrieb = Organisation des Bauens im laufenden Eisenbahnbetrieb

Baubetriebsplanung = konkrete Planung, wann, wie und unter welchen Bedingungen gebaut wird 

Der baubetriebliche Anmeldeprozess
Baubetriebliche Anmeldeprozess
Baubetriebliche Anmeldeprozess Grafik
Baubetriebliche Anmeldeprozess
Quelle: Deutsche Bahn AG
Bauen im Takt

Um mehr Planbarkeit, Stabilität und Qualität zu erreichen, haben wir unser Baustellenmanagement grundlegend neu aufgestellt. Mit „Bauen im Takt“ reagieren wir auf den steigenden Sanierungsbedarf der in die Jahre gekommenen Schieneninfrastruktur und die gleichzeitig wachsende Nachfrage im Bahnverkehr.

Kern des neuen Ansatzes sind standardisierte, frühzeitig geplante Zeit- und Raumfenster, sogenannte Container. In diesen Containern werden Instandhaltungs- sowie Investitionsmaßnahmen gebündelt durchgeführt. Verbindliche Prozesse und Fristen sorgen für eine frühzeitige Information unserer Kund:innen.

Durch das Bauen in getakteten Containern reduzieren wir kurzfristige Bauauswirkungen, schaffen mehr baufreie Zeit und ermöglichen stabile, langfristig planbare Fahrpläne.

Baubetriebstechnologie

Baubetriebstechnologie bildet das methodische und organisatorische Fundament für die erfolgreiche Umsetzung von Bauprojekten – insbesondere unter den komplexen Randbedingungen moderner Infrastrukturvorhaben. Im Kern verbindet sie ingenieurtechnisches Fachwissen mit logistischen Ansätzen, um Bauprozesse effizient, sicher und termingerecht zu gestalten.Gleichzeitig ist sie als Schnittstelle zweier eigenständiger Fachbereiche zu verstehen: der Bautechnologie und des Baubetriebs. Während die Bautechnologie primär auf die technische und konstruktive Optimierung von Bauwerken ausgerichtet ist, verschiebt die Baubetriebstechnologie diesen Zielfokus bewusst in Richtung Bauabwicklung unter realen Betriebsbedingungen. Das bedeutet konkret, dass technologische Lösungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern stets im Kontext ihrer Auswirkungen auf den Bauablauf und insbesondere auf den laufenden Betrieb bewertet werden.Im Bahnsektor hat sich hierfür der Begriff des „minimalinvasiven Eingriffs in den Bahnbetrieb“ etabliert. Ziel ist es, die aus dem Bauablauf resultierenden betrieblichen Einschränkungen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Dies erfordert eine ausgewogene Betrachtung: Die erforderliche Qualität der baulichen Umsetzung sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen werden gleichermaßen berücksichtigt, wobei die Stabilität des Bahnbetriebs ein zentraler Leitgedanke in der Entscheidungsfindung ist.Im Fokus der Baubetriebstechnologie stehen damit die Planung, Steuerung und Optimierung von Bauabläufen unter diesen Prämissen. Dazu gehören die Entwicklung geeigneter Bauverfahren, die Organisation von Ressourcen wie Personal, Geräten und Materialien sowie die präzise Abstimmung von Bauphasen innerhalb eng definierter Zeitfenster. Ergänzt wird dies durch die Analyse von Risiken und Störungen, die Sicherstellung der Arbeitssicherheit sowie die kontinuierliche Überwachung von Terminen, Kosten und Qualität.Damit leistet die Baubetriebstechnologie einen entscheidenden Beitrag zur Beherrschung komplexer Bauvorhaben – insbesondere dort, wo Bauen unter laufendem Betrieb stattfindet. Sie schafft die Voraussetzung dafür, dass Planung, Technologie und Ausführung so ineinandergreifen, dass sowohl bauliche als auch betriebliche Anforderungen bestmöglich erfüllt werden. 

Anwendungsbereich

Baumaßnahmen und die Anwendung der richtigen Baubetriebstechnologie haben großen Einfluss auf die Pünktlichkeit im Zugverkehr. Um bei zeitgleichem Anstieg der Projekte und der verkehrenden Züge unsere Ziele zu erreichen, rücken unsere Bauverfahren und die zugehörigen Bauabläufe in den Fokus. Die vorhandenen Potentiale sollen ausgeschöpft werden, um den baubetrieblichen Eingriff der Baumaßnahmen zu reduzieren.

Dabei wird der Baubetriebstechnologie ein hoher Stellenwert zugeschrieben, so dass sich die DB InfraGO AG Personenbahnhöfe in der Verantwortung sieht, sämtliche baubetrieblich relevanten Projekte auf die notwendigen Vorgaben zu prüfen und zu optimieren. Den größtmöglichen Effekt hat die Prüfung in den Leistungsphasen 1-4. Deshalb ist es umso wichtiger die Baubetriebstechnologen in das Projektteam frühzeitig mit einzubinden.

Die Effekte können vielfältig sein und stellen sich z.B. wie folgt dar:

  • Offenlegung von Fachgewerke übergreifenden Schnittstellen
  • Transparenter Bauablauf bzw. Baulogistik
  • Plausibilisierung von Sperrzeitenkonzepten
  • Berücksichtigung von Baubehelfen bzw. Bauzwischenzuständen
  • Anwendung von innovativen Bauverfahren und Methoden
Wissenssprints

Ende des oberhalb befindlichen Videos

Bauablaufsimulation mit Gamingtechnologie

Weiterführende Informationen und Arbeitshilfen

Referenzwertegeber & Standardsperrzeiten

Der Zeitpunkt für eine betriebliche Berücksichtigung (Anzeige von Sperrzeitbedarf) gemäß RIL406 (siehe Baubetriebsplanung) ist weiter in den Fokus gerückt. Der Sperrzeitbedarf wird aktuell zur Erstanmeldung (im Portal zur Erstanmeldung) angezeigt. In diesem Zuge werden zwei Jahresscheiben (n-3 bis n-4) betrachtet, was mit Blick auf die Qualität der Anzeige erhebliche Fragen mit sich bringt, da die Projekte im Regelfall noch nicht über die Planungstiefe verfügen, um verlässliche Angaben zu liefern. Aus diesem Grund wird für die Projekte n-4 die Anwendung des Referenzwertegebers & der Standardsperrzeiten empfohlen, um eine einheitliche Berechnungsgrundlage zu liefern. Der Referenzwertegeber unterstützt mit Standardsperrzeiten das mittelfristige Kapazitätsmanagement, wenn noch keine ausreichende Planungstiefe für die präzise Ermittlung von Sperrzeiten vorliegt.

Musterbauphasenplan

Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Projekttypen und den baubetrieblich individuell wirkenden Anlagentypen ist eine transparente Darstellung, für die Gewährleistung eines reibungslosen Bauablauf, sowie der Projektzielerreichung unabdingbar. Mit dem Bauphasenplan soll beabsichtigt werden diese Ziele einzuhalten. Das Projekt wird in Bauteile und Bauabschnitte gegliedert und in Abhängigkeit der betrieblichen Einschränkungen in Übersichtsplänen erfasst. Die betrieblichen Beeinflussungen, sowie örtliche Gegebenheiten können nur erkannt und berücksichtigt werden, wenn diese in einer transparenten Darstellung aufgezeigt werden. Diese Darstellung wird durch den Bauphasenplan hergestellt, um daraus eine qualitativ hochwertige technische Anmeldung des Projektes vornehmen zu können. Dieses Beispiel soll als Hilfestellung der Projektleitung dienen die vorgelegten Projektinhalte zu prüfen.

Zeichnerische Darstellung der Reisendenlenkung/-führung 

Mit der aktuellen Unternehmensstrategie „Deutschlands Größter Gastgeber“ legt das Geschäftsfeld Personenbahnhöfe der DB InfraGO AG den Fokus bewusst auf die Reisenden und Kunden unserer Bahnhöfe. Was im täglichen Geschäft schon sehr gut funktioniert, soll selbstverständlich auch im Zuge von geplanten Baumaßnahmen gut funktionieren. Das bedeutet, dass im Zuge von Baumaßnahmen der Reisende und Kunde mehr an Bedeutung gewinnt.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll parallel zum Bauphasenplan, welcher das Projekt in unterschiedliche technisch notwendige Phasen unterteilt, eine zeichnerische Darstellung zur Reisendenlenkung/-führung erstellt werden, welcher zu den einzelnen technischen Phasen Transparenz über den Umgang mit den Reisenden und Kunden offenlegen soll. Damit soll sichergestellt werden, dass zu jedem Zeitpunkt während der Bauphase eindeutige Regelungen vorliegen, welche die Reisenden sicher zum Bahnsteig hin und weg führen.

Dieses Beispiel soll der Projektleitung als Hilfestellung dienen, um die Belange mit dem Bahnhofsmanagement abzustimmen und zu dokumentieren.

Arbeitshilfe Bau- und Sperrzeitenoptimierung

Die Ressourcen sind knapp und das in jeglichen Belangen. Dies macht sich auch im Bereich der Bau- und Sperrzeit bemerkbar. Daher muss mit diesen Ressourcen bedacht und Verschwendungsfrei umgegangen werden. Und damit ein optimaler Bauablauf gewährleistet werden kann wurde die Arbeitshilfe „Bau- und Sperrzeitenoptimierung“ erstellt. 

Diese Arbeitshilfe greift alle möglichen Maßnahmen auf, welche zu einer Optimierung im Bereich der Bau- und Sperrzeit führen können. Alle wichtigen Fachbereiche, welche Einfluss auf die Optimierung nehmen können, sind enthalten und legen mit einfachen Fragestellungen den richtigen Fokus. Unabhängig von der Leistungsphase oder dem Projektumfang kann die Arbeitshilfe im Projekt zur Anwendung kommen. 

Leitfaden Bau- und Sperrzeitenkatalog

Der Leitfaden Bau- und Sperrzeitenkatalog ist ein wichtiges Instrument für die Planung und Durchführung von Bauprojekten im Eisenbahnbereich. Er stellt sicher, dass die Ermittlung von Bauzeiten und Sperrzeiten auf einer einheitlichen Basis erfolgt, was für die korrekte und effiziente Erstellung von Terminplänen und Bauabläufen entscheidend ist. Ziel ist es, die Bauarbeiten so zu organisieren, dass sie möglichst wenig Einfluss auf den laufenden Verkehr haben und gleichzeitig die Baumaßnahmen effizient durchgeführt werden können.

Maßnahmenkatalog Bauverfahren

Trotz der großen Vielfalt an Projekten wurde erkannt, dass viele bauliche Anlagen Gemeinsamkeiten aufweisen. Diese Erkenntnis hat das Fachnetzwerk Baubetriebstechnologie genutzt, um eine praxisorientierte Übersicht zu entwickeln. Der Maßnahmenkatalog basiert auf typischen Bauverfahren und wiederkehrenden Anlagentypen und dient als unterstützendes Werkzeug bei der Bewertung und Prüfung von Planunterlagen, Bauabläufen, Leistungsansätzen und Kosten. Ziel ist es, den Aufwand in Projekten zu reduzieren, mehr Klarheit zu schaffen und fundierte Projektentscheidungen zu ermöglichen.

Kombinationsmatrix „Containerisierbarkeit"

Die neue Containerlogik (SB²) sowie die Generalsanierungen erfordern eine noch engere räumliche und zeitliche Zusammenarbeit zwischen den Geschäftsbereichen Personenbahnhöfe und Fahrweg als bisher.Um die Kompatibilität verschiedener Baumaßnahmen übersichtlich darzustellen, wurde im Rahmen der Studie „Minimalinvasiver Eingriff in den Betrieb bei Standardprojekten im Bereich von Personenbahnhöfen“ (MIEB-Studie) gemeinsam mit dem Fachnetzwerk der Baubetriebstechnologie die sogenannte Kombinationsmatrix „Containerisierbarkeit“ entwickelt.Diese Matrix bewertet die Schnittstellen zwischen typischen Maßnahmen beider Geschäftsbereiche und zeigt auf, wie sich diese reduzieren lassen. Ziel ist es, möglichst viele Maßnahmen im Bereich Personenbahnhöfe künftig innerhalb der neuen Invest-Container sowie im Rahmen von Generalsanierungen effizient umzusetzen.